Medizinische Schwerpunkte

Therapieverfahren

Behandlung des akuten Herzinfarktes

Ein Herzinfarkt ist eine lebensbedrohliche Durchblutungsstörung, die im Allgemeinen durch einen plötzlichen Verschluss eines Herzkranzgefäßes (Koronararterie) verursacht wird. Bereits wenige Minuten nach dem Verschluss der Koronararterie beginnen Teil des Herzmuskels abzusterben. Dies führt zu einem bleibenden Verlust von Herzmuskelgewebe wodurch die Belastbarkeit aber auch die Lebenserwartung ungünstig beeinflusst werden. Dieser Prozess kann nur aufgehalten werden, wenn die verschlossen Infarktarterie schnellstmöglich wieder eröffnet wird.

Plötzlich auftretende Schmerzen in der Brust mit einer Dauer von mehr als 20 Minuten (häufig mit Ausstrahlung in Arme, Hals und Unterkiefer, Bauch oder Rücken), oft verbunden mit Luftnot, Schweißausbrüchen oder Übelkeit sind Hinweise für einen akuten Herzinfarkt.

In einer solchen Situation zählt jede Minute, denn 30 Prozent aller Infarktpatienten sterben, bevor ihnen ein Laie oder Notarzt helfen kann. Wählen Sie sofort den Notruf 112 und äußern Sie den Verdacht auf einen Herzinfarkt bei der Alarmierung des Notarztes. Falls eine Bewusstlosigkeit auftritt, sollten Wiederbelebungsmaßnahmen (insbesondere eine Herzdruckmassage) auch von Laien sofort begonnen werden und bis zum Eintreffen des Notarztes fortgesetzt werden (Laienreanimation).

Unser Klinikteam behandelt akute Herzinfarkte durch eine Herzkatheteruntersuchung mit dem Ziel die verschlossene Herzinfarktarterie wieder zu eröffnen. Die Behandlungsergebnisse sind umso besser, je früher die Behandlung durch den Notarzt und das kardiologische Team in der Klinik erfolgt.

Ballondilatation von Herzkranzgefäßen (Koronararterien)

Bei diesem Verfahren wird im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung eine verengte oder verschlossenen Koronararterie mit einem Ballon (Durchmesser 2-5 mm) aufgeweitet. Der zusammengefaltete Ballon befindet sich an der Spitze eines speziellen Katheters, der über die Leiste eingeführt und in der Engstelle platziert wird. Dort wird der Ballon unter Druck aufgeblasen, wodurch die Verengung beseitigt wird. Um das Risiko einer späteren Wiederverengung des Herzkranzgefäßes zu vermindern, wird bei fast allen Ballondilatationen zusätzlich ein Stent implantiert.

Sogenannte medikamentenbeschichtete Ballons (DEB = Drug eluting ballon) werden bei wiederholten Gefäßverengungen (insbesondere nach vorangegangener Stentimplantation) eingesetzt. Durch die Medikamentenbeschichtung wird das Wachstum insbesondere von Bindegewebe in der Gefäßwand unterdrückt

Stentimplantation in Herzkranzgefäßen

Ein Stent ist ein Metalldrahtnetz, das im nicht-entfalteten Zustand auf einem Ballonkatheter montiert ist. Dieser Ballonkatheter dient zur Platzierung und Aufweitung des Stents in dem verengten Abschnitt des Herzkranzgefäßes. Durch Verwendung eines Stents kann das Risiko einer Wiederverengung des Herzkranzgefäßes im Vergleich zu einer alleinigen Ballondilatation deutlich gesenkt werden. Eine weitere Senkung des Risikos von erneuten Verengungen der Koronararterie ist durch die Verwendung medikamentenbeschichteter Stent (DES = Drug eluting stent) möglich.

Nach einer Stentimplantation besteht ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln in der behandelten Koronararterie, was zu einem plötzlichen Verschluss des Blutgefäßes führen kann (Herzinfarkt). Daher ist ein Nachbehandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten (sogenannte Thrombozytenaggregationshemmer) über einen längeren Zeitraum erforderlich (mindestens vier Wochen bei unbeschichteten Stents, im Allgemeinen mindestens zwölf Monate bei beschichteten Stents). Die Behandlung mit diesen Medikamenten sollte nur nach Rücksprache mit ihrem Hausarzt/Kardiologen oder mit unserer Klinik unterbrochen oder beendet werden.

Katheter-geführter Verschluss von Defekten der Vorhofscheidewand

Ein Vorhofseptum-Defekt ist ein Loch in der Vorhofscheidewand, die normalerweise den linken vom rechten Vorhof trennt. Ein großer Vorhofseptumdefekt begünstigt die Entwicklung einer Herzschwäche sowie das Auftreten verschiedener Herzrhythmusstörungen. Bei etwa 20 % aller Menschen sind kleine Defekte der Vorhofscheidewand (offenes Foramen ovale) mit speziellen Untersuchungstechniken nachweisbar (z.B. mit der transösophagealen Echokardiographie). Obwohl diese kleinen Defekte in der Regel harmlos sind, können sie bei einigen Menschen das Auftreten von Schlaganfällen begünstigen.

Vorhofseptumdefekte (ASD Typ II) und das offene Foramen ovale können heute im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung mit speziellen Vorhofseptumschirmchen (Okkluder) komplikationsarm verschlossen werden. Hierzu muss lediglich eine Leistenvene punktiert werden, eine Eröffnung des Brustkorbs ist hierfür nicht erforderlich. Der Eingriff erfolgt entweder in örtlicher Betäubung oder mit einer Kurznarkose.

Elektrische Kardioversion

Als Kardioversion bezeichnet man die Wiederherstellung eines normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) bei Vorliegen bestimmter Herzrhythmusstörungen: meist bei Vorhofflimmern, selten bei Vorhofflattern, bzw. supraventrikulären oder ventrikulären Tachykardien.

Bei der elektrischen Kardioversion wird hierzu ein kurzer EKG-gesteuerter Stromimpuls über spezielle Brustwand-Elektroden abgegeben. Der Eingriff erfolgt in einer Kurznarkose. Zum Ausschluss von Blutgerinnseln im Herzen wird häufig zusätzlich eine transösophageale Echokardiografie durchgeführt.

Schrittmacherimplantation

Herzschrittmacher werden überwiegend zur Behandlung eines zu langsamen Herzschlags eingesetzt. Bei einem Schrittmacher handelt es sich um einen kleinen elektrischen Impulsgeber der über spezielle Elektrodenkabel Stromimpulse im Herzen abgibt. Wir verwenden hierzu meist Elektroden im rechten Vorhof und Ventrikel (2-Kammer Schrittmacher). Die Schrittmacherkabel werden über eine Vene bis zum Herzen vorgeschoben, der Herzschrittmacher selbst wird im Unterhautfettgewebe unterhalb des Schlüsselbeins implantiert. Der Eingriff erfolgt im Allgemeinen unter örtlicher Betäubung.

Die Lebensdauer der Batterie des Herzschrittmachers beträgt etwa sieben bis zehn Jahre. Der Batteriezustand, sowie die Funktion des Herzschrittmachers und der Schrittmacherkabel müssen regelmäßig im Rahmen einer Schrittmacherkontrolluntersuchung überprüft werden.

Implantation von automatischen Defibrillatoren

Kammerflimmern ist eine akut lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung, die ohne Behandlung innerhalb weniger Minuten zum Tod führt. Die wichtigste Behandlungsmaßnahme ist die elektrische Defibrillation, bei der über die Brustwand ein kräftiger Stromstoß mit einem Defibrillator abgegeben wird, wodurch der normale Herzrhythmus häufig wiederhergestellt wird.

Ein automatischer Defibrillator ist ein spezieller Herzschrittmacher, der unter die Brustmuskulatur implantiert wird und bei Auftreten lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen selbständig eine Defibrillation durchführen kann. Das Gerät ist etwas größer als ein normaler Herzschrittmacher, der Stromimpuls wird über eine Elektrode im rechten Ventrikel abgegeben. Der Eingriff zur Implantation des Defibrillators erfolgt in der Regel in Vollnarkose.

Ein automatischer Defibrillator wird besonders bei Patienten mit folgenden Problemen eingesetzt:

  • Bei ventrikulären  Tachykardien bzw. Kammerflimmern
  • Nach Herzstillstand mit erfolgreicher Wiederbelebung
  • Bei medikamentös nicht behandelbaren gefährlichen Herzrhythmusstörung
  • Patienten mit hochgradig reduzierter Herzleistung

Auch bei einem automatischen Defibrillator sind regelmäßige Schrittmacherkontrollen erforderlich.

Herzschrittmacher zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT)

Bei einigen Patienten mit hochgradiger eingeschränkter Herzleistung kann eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit mit einem speziellen CRT-Schrittmachersystem erreicht werden. Durch Verwendung verschiedener Elektroden im rechten Vorhof, im rechten Ventrikel sowie meist im Koronarvenensinus wird bei diesen Patienten eine gleichmäßige Bewegung der Herzwände erreicht, wodurch die Pumpleistung des Herzmuskerls verbessert werden kann. Bei ausgewählten Patienten kann mit dieser Methode sowohl eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit, als auch eine Verbesserung der Prognose erreicht werden.