SAVE THE DATE: Nächste Veranstaltung am 24.03.2020

Was bleibt, was wird anders? Wie können wir gestalten, was auf uns zukommt? Wie können wir uns vorbereiten? Gesetzesvorlagen, Digitalisierung, medizinischer Fortschritt – der Beruf der Pflege steht vor umfassenden Entwicklungen, Herausforderungen und natürlich auch Chancen. Diese gilt es zu gestalten.

Die Regio Kliniken haben im vergangenen Jahr mit dem ganztägigen Kongress 'Spotlight Pflege' vorgelegt und die Diskussion für das Unternehmen, aber auch generell für die Menschen in der Region, in Gang gebracht. Nun folgt die Fortführung der Reihe mit 'Spotlight Pflege kompakt'. Dazu laden wir Sie herzlich ein!

Investieren Sie drei Stunden Ihrer Freizeit in die kostenlosen Nachmittagsveranstaltungen und damit spannende Themen der Zukunft. Mitarbeiter der Pflege – und auch solche, die es noch werden wollen – profitieren von Experten unterschiedlicher Bereiche, die Vorträge halten, gemeinsam diskutieren und für Anregungen und Fragen zur Verfügung stehen.

Startschuss für 'Spotlight Pflege kompakt' war am 05. November 2019 mit einer Veranstaltung zum neuen Pflegeberufegesetz. 

Fotogalerie zur Veranstaltung

Die Vorträge von 'Spotlight Pflege kompakt' in der Übersicht

Stellen Sie die Fragen, die Sie bewegen, diskutieren Sie mit oder hören Sie einfach nur zu. Denn: Unsere Zukunft können wir nur gemeinsam gestalten. Wir freuen uns auf einen regen kollegialen Austausch.

05. November 2019 – Das neue Pflegeberufegesetz

Ab 2020 wird das neue Pflegeberufegesetz in Kraft treten. Damit wird die generalistische Ausbildung die Pflege der Zukunft maßgeblich prägen. Neben einer neuen Berufsbezeichnung werden auch inhaltlich neue Maßstäbe gesetzt. Pflege wird sich wissenschaftlicher und kompetenzbasierter ausrichten. Was machen wir daraus?

Referentinnen: 


Prof. Dr. Anke Fesenfeld, Pflegewissenschaftlerin und Lehrerin für Pflegeberufe
Genia Dohnke, Prokuristin Pflegezentrum Elbmarsch, Projektkoordinatorin Regio Kliniken
Sigrid Kapitzke, Leiterin Bildungszentrum Regio Kliniken
Ricarda Möller, Referentin für Junge Pflege im DBfK Nordwest
Nicole Molzen, Pflegedirektorin Regio Kliniken
Svenja Neumann-Lohse, Leitung Schule, AWO Bildungscampus in Elmshorn

Moderation:

Petra Mecklenburg-Braatz, Bereichsleitung Katheterlabore und kardiologische Funktionsdiagnostik, Regio Kliniken
Meike Detlefs, standortübergreifende Leitung Endoskopie, Regio Kliniken

Zeit: 15:00 bis ca. 18:00 Uhr 

Eintritt: kostenlos. Für unsere Planung ist es hilfreich, wenn Sie uns vorab wissen lassen, mit wie vielen Personen Sie kommen werden. Melden Sie sich dafür bitte per E-Mail bei  sylvia.pieplow@sana.de . Über diese E-Mail-Adresse können Sie – wenn Sie mögen – auch vorab schon Ihre Fragen und Gesprächsanregungen an die Experten reinreichen. 

Ort: Restaurant Kantino, Lornsenstraße 54, 25335 Elmshorn

Ausklang bei kleinen, feinen Speisen und Getränken. 

Pflege-Expertinnen im Interview

Prof. Dr. Anke Fesenfeld

Pflegewissenschaftlerin und Lehrerin für Pflegeberufe

Frau Professor Fesenfeld, welches ist die größte Herausforderung bei der Umsetzung des Pflegeberufegesetzes?

Die Herausforderung ist es, drei bisherige und fünf neue Berufsabschlüsse curricular und prüfungstechnisch abzubilden – und das vor dem Hintergrund, dass die dazugehörigen Tätigkeitsprofile in der Praxis nicht klar konturiert sind.

Wofür ist ein Pflegestudium notwendig? Welche sind die Vorteile des Pflegestudiums gegenüber der Ausbildung? 
Die Akademisierung der Pflege ist ein Schritt in Richtung Professionalisierung, der unumkehrbar ist. Die akademisierten Pflegekräfte ergänzen die bisherigen Tätigkeitsprofile vor allem um Aspekte des evidence based nursing*. Sowohl der fachschulische als auch der hochschulische Weg haben Vor- und Nachteile – ich würde das nicht konkurrent gegeneinander abgrenzen wollen, sondern eher im Sinne eines guten Zusammenspiels im Rahmen Skill-and-Grade-Mix** verstehen.

Und wo sehen Sie die Pflege in zehn Jahren?
Schwer zu sagen… In jedem Fall entscheidet sich 2026 die Frage der Generalistik – und da glaube ich, dass sie sich durchsetzen wird. Dann hoffe ich, dass wir ein geeignetes und valides Personalbemessungsinstrument haben und die Rahmensetzungen für die Pflege sich deutlich verbessert haben werden. Ich rechne mit einem Anstieg hochschulisch qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der direkten Pflege – wir werden aber kaum zehn Prozent erreichen … Vielmehr werden wir uns glücklich schätzen können, wenn wir durchgängig fünf Prozent in der direkten Pflege haben – das muss dringend weiter auf- und ausgebaut werden.

Ich hoffe inständig, dass die Pflege in allen Bereichen sichtbarer wird. Ich hoffe auf eine klarere Wahrnehmung des Beitrags, den Pflege zur Versorgungsqualität und -kontinuität leistet. Ich denke, dass wir flächendeckend Pflegekammern haben werden und eine Bundespflegekammer, die die Interessen der Pflegenden in politischen Zusammenhängen klar vertreten. Und ich hoffe – und rechne auch damit –, dass Pflege erlöswirksam abbildbar ist und dass das zur Wertschätzung der Pflege beiträgt.

Wo würden Sie die Pflege dann gerne sehen? Was ist Ihre Vision?
Meine Vision ist das, was das Sachverständigengutachten schon 2007 formuliert hat: eine Neuordnung der Aufgaben im Gesundheitswesen mit einer klaren Abkehr von der Arztzentrierung und Medizinalisierung – hin zu einem gleichberechtigten Arbeiten auf Augenhöhe, in dem jeder Gesundheitsberuf seine Kompetenzen klar ins Feld stellt und in guter Kooperation an interprofessionellen Versorgungskonzepten arbeitet. Meine Vision ist ein ausgewogener und auf hohem Qualitätsstandard festgeschriebener Skill-and-Grade-Mix im Sinne eines durchlässigen Systems. Meine Vision ist eine klare Konturierung der pflegerischen Kompetenzprofile, die den wichtigen Beitrag der Pflege an der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung verdeutlichen. Dadurch könnten auch neue Möglichkeiten wie zum Beispiel Tandempraxen mit Pflegenden oder auch pflegegeführte Krankenhäuser entstehen. Meine Vision ist ein Pflegemanagement, das mit Potenzialanalysen und individuellen Bildungsbiographien arbeitet und sich so am lebenslangen Lernen orientiert und das qualitätssichernd und -steuernd einsetzt. Und meine Vision ist eine Berufsgruppe, die klar aus einer Jammerkultur herausgewachsen ist und sich durch ein professionelles Standing selbstbewusst im Gesundheitswesen bewegt.

* Evidenzbasierte Pflege
** Unter Skill-Mix wird die passende Teamzusammensetzung in Bezug auf Fähigkeiten, Berufs- und Lebenserfahrung verstanden. Beim Grade-Mix geht es um die Durchmischung unterschiedlicher Bildungsabschlüsse innerhalb der Pflege.

 

Svenja Neumann-Lohse

Leitung Schule, AWO Bildungscampus in Elmshorn

Frau Neumann-Lohse, wofür ist ein Pflegestudium notwendig? Welche sind die Vorteile des Pflegestudiums gegenüber der Ausbildung?

Die Pflege braucht auch Menschen, die Pflege studieren. Pflege ist eine anspruchsvolle und komplexe Aufgabe, die besonders gut gelingen kann, wenn Kolleginnen und Kollegen unterschiedlicher Professionen mit unterschiedlich ausgebildeten Kompetenzen in möglichst vielen Bereichen zusammenarbeiten.

Menschen, die studiert haben, haben oft besser gelernt und vor allem öfter geübt, Situationen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Sie sind es gewohnt, viele unterschiedliche Informationen aufzunehmen, zu vergleichen und daraus mögliche Lösungen abzuleiten. Mit dieser Fähigkeit können studierte Pflegemitarbeiter meiner Ansicht nach eine wichtige Brückenfunktion zwischen Kunden, Angehörigen, Pflegemitarbeiterinnen und Medizinern oder Wissenschaftlerinnen übernehmen.

Wo sehen Sie die Pflege in zehn Jahren und wo würden Sie sie dann gerne sehen? Was ist Ihre Vision?

Die Frage nach der Pflege in zehn Jahren ist meiner Meinung nach kaum zu beantworten. In Zeiten der Digitalisierung finden Veränderungsprozesse erheblich schneller statt. Was gestern noch galt ist heute fraglich und morgen schon nicht mehr gültig. Wo die Pflege, falls es die Pflege überhaupt gibt, in zehn Jahren stehen wird, ist in hohem Maße davon abhängen, wie wir alle die Pflege gestalten.

Dabei scheint es mir besonders wichtig zu sein, zu verstehen, dass die Dinge sich verändern und dass wir uns mit verändern müssen. Wir brauchen Offenheit gegenüber neuen Ideen. Wir brauchen Mut, Neues auszuprobieren und auch den Mut es wieder zu verwerfen, wenn wir feststellen, dass die Idee nicht gut war. Wir brauchen Flexibilität im Denken und Flexibilität in unseren Prozessen. Und wir müssen verstehen, dass das, was für den einen gut ist, noch lange nicht für den anderen gut sein muss. Wir brauchen kreatives Potenzial, um neues Wissen bewerten und einarbeiten zu können. Wir benötigen eine gut geschulte Fähigkeit zum Perspektivwechsel, um unsere Arbeit konsequent an den Bedürfnissen unserer Kunden ausrichten zu können und diese in Einklang mit pflegerischen Notwendigkeiten zu bringen.

All das ist nicht leicht, zumal neben der fachlichen auch immer die ethische, die soziale und die wirtschaftliche Sichtweise einbezogen werden sollen. Pflege lebt und arbeitet mit Menschen – und das steht an erster Stelle. Ich sehe also jede Menge Herausforderungen in den nächsten zehn Jahren auf die Pflege zukommen. Digitalisierung und demographischer Wandel sind dabei nur zwei von vielen Stichworten.

Ich wünsche mir, dass sich viele Menschen bewegen lassen, diese Herausforderungen anzunehmen und sich mutig in die Aufgaben der Pflege stürzen, um sie zu ihrer eigenen zu machen und so zu verändern, das Pflegende und Gepflegte gleichermaßen zufrieden und gut versorgt sein können. In einem der reichsten und sichersten Länder der Erde sollte dies aus meiner Sicht möglich sein.

 

Ricarda Möller

Referentin für Junge Pflege im DBfK Nordwest

Frau Möller, welche ist die größte Herausforderung bei der Umsetzung des Pflegeberufegesetzes?

Ich denke aus Sicht der Schulen ist die curriculare Umsetzung die größte Herausforderung. Aus Sicht der Praxiseinrichtungen ist es sicherlich der Bedarf an Praxisanleiterinnen und Praxisanleitern, um die durch Bundesrecht geforderten zehn Prozent Praxisanleitung zu gewährleisten. Zudem fordern die zu erreichenden Kompetenzen und die Erstellung der Ausbildungspläne die Praxis pädagogisch zusätzlich heraus. Darüber hinaus haben einige Einrichtungen Schwierigkeiten, Kooperationspartner zu finden.

Wofür ist ein Pflegestudium notwendig? Welche sind die Vorteile des Pflegestudiums gegenüber der Ausbildung?
Durch ein Studium in der Pflege bekommt man das wissenschaftliche Rüstzeug, um die Situation für die Pflegebedürftigen und die der Pflegenden zu verbessern. Als hochschulisch ausgebildete Pflegefachperson ist man befähigt, Konzepte zu entwickeln und umzusetzen, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zu bringen und Fragestellungen aus der Praxis an die Wissenschaft zu richten. Der Skill-Grade-Mix*, die unterschiedlichen Qualifikationen machen erst eine gute, aus vielen Richtungen bedachte Versorgung aus. Die verschiedenen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sichern die Attraktivität des Berufes und bieten dem Pflegenachwuchs horizontale und vertikale Entwicklungsmöglichkeiten.

Wo sehen Sie die Pflege in zehn Jahren?
In zehn Jahren ist der Pflegeberuf wieder deutlich attraktiver; alle zukünftigen Kolleginnen und Kollegen werden generalistisch ausgebildet, Fort- und Weiterbildungen werden als selbstverständlich angesehen, hochschulisch ausgebildete Pflegefachpersonen sind auch in der Praxis akzeptiert und stellen einen Anteil im Versorgungsteam, der die vom Wissenschaftsrat empfohlenen zehn bis 20 Prozent erfüllt. Die Versorgung der Pflegebedürftigen erfolgt auf einem qualitativ hohen und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden Niveau.

Wo würden Sie die Pflege dann gerne sehen? Was ist Ihre Vision?
Ich wünsche mir, dass es normal ist, dass wir eine politisch aktive Berufsgruppe sind. Dass wir mit unseren vorbehaltenden Tätigkeiten in der Gesellschaft ein anderes Ansehen erlangt haben und die Pflegenden alle in Pflegeberufekammern und im Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe organisiert sind. Wir wollen den Status als eine Profession als selbstverständlich wissen. Außerdem wünsche ich mir, dass Pflege und Pflegepolitik globaler gedacht werden.

** Unter Skill-Mix wird die passende Teamzusammensetzung in Bezug auf Fähigkeiten, Berufs- und Lebenserfahrung verstanden. Beim Grade-Mix geht es um die Durchmischung unterschiedlicher Bildungsabschlüsse innerhalb der Pflege.